| Biografie |
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"Was willst du denn einmal werden?", dass haben mich meine Eltern sicher gefragt, als ich noch ein kleiner Bub war. Wahrscheinlich habe ich auch das gesagt, was fast alle kleinen Knaben geantwortet hätten: Astronaut oder Soldat. Daran erinnere ich mich nicht mehr. Aber an die Zeit, als ich erfahren habe, dass es so ein Beruf wie "Zoologe" gibt, ist sehr in meiner Erinnerung haften geblieben. Die Frage nach meinem künftigen Beruf hatte sich damals also für mich geklärt – natürlich, ich werde Zoologe!!! Ich werde einen gezähmten Panda haben (damals war ich der Meinung, dass jeder Zoologe dieses Tier haben müsste), zwei Bernhardiner-Hunde (über diese Rasse habe ich bis zur 5.-6. Klasse ständig geträumt) und schließlich die ganze Wohnung voll mit seltenen präparierten Tieren (na ja, in der Grundschule dachte ich, dass es schön sei).
In meinen Träumen habe ich mir ausgemalt, wie ich auf Reisen ging, wie ich neue Tierarten entdeckte, wissenschaftliche Bücher schrieb, ich dafür große Anerkennung, zahlreiche Auszeichnungen und Preise bekam (was soll ich dazu noch schreiben – große Pläne für das Leben!). Ich denke, zu diesen Zeiten habe ich angefangen meine Träume auf das Papier zu übertragen. Aber nicht nur Träume. Ich habe alles und immer gemalt und ich habe überall gemalt. In meinen Schulheften gab es so viele gemalten Pandas, dass wenn Gott sie mit Leben erwecken könnte, es keine Bedrohung mehr für diese Tierart geben würde. Hunde aller Rassen (nicht nur Bernhardiner) konnte ich mit geschlossenen Augen malen. Und was habe ich alles mit den "langweiligen" Illustrationen in meinen Schulbüchern gemacht. Mit meinen Korrekturen erweckte ich sie zum Leben.
Wenn meine Eltern gewusst hätten, wie weit meine Liebe zu Malerei voran geschritten war, hätten sie sicher schon damals überlegt, ob eine Malschule vielleicht für mich das Richtige wäre. Aber damals, in der Ersten Klasse Grundschule, gab es noch keine Schulbücher mit den "langweiligen" Illustrationen, dafür gab es ein kleines Notizheft, worin ich meine ersten Zeichnungen machte (was würde ich geben, um nur einmal in dieses Notizheft hinein blicken zu können!). Genau dieses Heftchen hat die Auswahl meiner Freizeitaktivitäten bestimmt (meine Mutter hatte einmal hinein geschaut und musste feststellen, dass die Anzahl der Skizzen um ein mehrfaches die Anzahl der Schulaufgaben überstieg).
So konnte ich dann doch noch eine Malschule mit dem märchenhaften Namen "Der Feuervogel" besuchen. Es war dort auch wie im Märchen: wir malten, wir bastelten, wir lasen uns Märchen vor und später übertrugen wir sie auf das Papier oder Leinwand, wir tobten und machten Dummheiten, wir lebten.
Im Laufe dieser fabelhaften acht Jahre in der Malschule habe ich an zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen teilgenommen und wurde mehrmals ausgezeichnet sowie prämiert. In der Mittelschule wusste man über meine malerische Talente und ich durfte mehrmals meine Schule in Malwettbewerben vertreten.
Seltsam, obwohl ich so viel und so gern malte, habe ich fast nie ernsthaft nachgedacht einmal ein Künstler zu werden. Mein Kindheitstraum Zoologe zu werden, saß sehr fest in meinen Gedanken.
Nach 10 Jahren Mittelschule wurde ich dann 1992 an der tierärztliche Hochschule aufgenommen. Das bemalen von Büchern mit "langweiligen Illustrationen" wie zu meiner Kindheit, wurde jetzt problematisch (man musste sie ja später in der Bibliothek zurückgeben). Aber dafür gab es riesengroße Hörsäle mit neuen breiten Tischen!!! Praktisch alle interessanten Themen der Vorlesungen wurden von mir zeichnerisch auf allen möglichen Tischen verewigt. Und von den Zimmerwänden meiner Kommilitonen in dem studentischen Wohnheimen, blickten antike Atlanten und Helden mythischer Sagen (hoffentlich liest mein damaliger Dekan diese Zeilen nicht)…
Nach fünf Studienjahren wurde ich diplomierter Tierarzt. Das Studium Tiermedizin hatte mir nicht nur Wissen über Krankheiten und Heilung von Tieren gegeben, sondern auch wichtige theoretische Kenntnisse über ihrer Anatomie und war somit eine wertvolle Bereicherung für meine Malerei. Lediglich ein Jahr nach meinem Abschluss konnte ich schon als Tierarzt arbeiten.
Im Dezember 1998 kamen ich und meine Familie nach Deutschland. Ein neues Land, ein neues Leben, eine völlig neue Welt. Menschen, die mir eine unverständliche Sprache sprechen (obwohl ich fast ein Jahr bis zur unserer Abreise Deutsch gelernt hatte). Wohnheime, glänzende Kaufhäuser und Supermärkte, mit bis dahin von mir noch nie gesehenen Waren. Der erster CD-Player, Sprachkurse, Gedanken über die Zukunft, Sehnsucht nach der Vergangenheit….. ich habe wieder angefangen zu malen, fast jeden Tag mehrere Stunden. In den ersten sechs Monaten habe ich über fünfzig aufwändige Graphiken erstellt. Ein schwarzer Kuli, ein Blatt Papier Format A-3 sowie die CD "Enigma" und "Era" – Adaptationen a`la Lunyakov! Das war alles, was ich brauchte. Danach noch ein Sprachkurs und ein Ergänzungsstudium an der Uni Leipzig, es folgt die Anerkennung meines ukrainischen Diploms, dann eine abgebrochene Doktorarbeit auf dem Gebiet Pharmakologie und Pharmazie. Jetzt erst gebe ich meiner eigentlichen Berufung den Vortritt – ich fange endlich an professionell zu malen.
Wie sich glücklicherweise herausstellte, sogar nach so einer langen Pause gingen meine "graphischen" Fähigkeiten nicht verloren, dagegen Öl- und Acrylmalerei musste ich fast neu entdecken. Anfangs habe ich lange vor der Leinwand gesessen bevor ich den ersten Pinselstrich machte. Nachdem ich es dann gewagt hatte, war ich oft kurz davor die Leinwand weg zu werfen. Aber ich musste nicht sehr lange "üben", denn bereits die fünfte, sechste Arbeit gefielen mir und ab dem zehntem Gemälde fing ich an zu experimentieren. Lassen sie sich einfach überraschen!
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